Berufswahl Schritt für Schritt: Der Zeitplan für die Oberstufe
Kurz erklärt: der Berufswahlfahrplan in 7 Schritten
Die Berufsberatungen der Kantone und die Schulen arbeiten mit einem Berufswahlfahrplan, der den Weg von der ersten Idee bis zum Lehrstart in sieben Schritten gliedert. Die Bezeichnungen unterscheiden sich je nach Kanton leicht. Das Berufsinformationszentrum (BIZ) Graubünden beschreibt die sieben Schritte so:
- 1. Sich selber kennenlernen: Interessen und Stärken erkunden.
- 2. Berufs- und Ausbildungswelt kennenlernen: Berufe finden, die interessieren.
- 3. Vergleichen: eigene Stärken und Interessen mit den Anforderungen der Berufe abgleichen.
- 4. Interessante Berufe genauer ansehen: Schnupperlehre.
- 5. Überprüfen und entscheiden: Lehre oder weiterführende Schule, dazu Alternativen zum Wunschberuf.
- 6. Umsetzen: Lehrstelle suchen oder sich für eine weiterführende Schule anmelden.
- 7. Vorbereiten auf die Berufslehre oder die weiterführende Schule.
Wann beginnt was? Ein Zeitplan für das 7. bis 9. Schuljahr
Die Berufswahlvorbereitung beginnt laut BIZ Graubünden in der Regel in der 2. Oberstufe, teilweise schon gegen Ende der 1. Oberstufe. Das entspricht dem 8. bzw. dem Ende des 7. Schuljahres. Wie genau die Schule die Schritte auf die drei Jahre verteilt, legt jede Schule und jeder Kanton selbst fest. Frage deshalb bei der Klassenlehrperson nach dem lokalen Berufswahlfahrplan.
Als grobe Orientierung gilt: Zuerst kommen die Schritte 1 bis 3, also sich selbst kennenlernen, Berufe entdecken und vergleichen. Danach folgen die Schnupperlehren (Schritt 4) und die Entscheidung (Schritt 5). Die Bewerbung (Schritt 6) fällt in die 3. Oberstufe, also in das 9. Schuljahr. Dort ist auch der Zeitpunkt, an dem viele Jugendliche feststellen, dass mehrere Wege offenstehen. Das BIZ Bern hält fest, dass die Berufsidee in der ersten Phase fast wöchentlich wechseln kann. Das ist normal.
Die wichtigsten Daten im Bewerbungsjahr
Die Verbundpartner der Berufsbildung (Kantone, Organisationen der Arbeitswelt und Bund) haben sich 2021 auf ein gemeinsames Commitment geeinigt. Demnach sollen offene Lehrstellen frühestens im August des Jahres vor Lehrbeginn zur Bewerbung ausgeschrieben und Lehrverträge frühestens ein Jahr vor Lehrbeginn abgeschlossen werden. Die kantonalen Berufsbildungsämter sollen Lehrverträge frühestens im September des Jahres vor Lehrbeginn genehmigen. Ziel ist, dass Jugendliche und Eltern nicht zu verfrühten Entscheiden gedrängt werden.
Das BIZ Graubünden schreibt dazu, dass die freien Lehrstellen für das Folgejahr in der Regel anfangs August der 3. Oberstufe auf berufsberatung.ch aufgeschaltet werden. Wer sich für eine Aufnahmeprüfung an eine Mittelschule entscheidet, muss auf die Anmeldefrist achten: Sie liegt laut BIZ Graubünden jeweils im Januar der 2. oder der 3. Oberstufe. Die Fristen sind kantonal unterschiedlich, prüfe sie bei der Mittelschule deines Kantons.
Lehre oder weiterführende Schule?
Rund zwei Drittel der Jugendlichen in der Schweiz entscheiden sich nach der obligatorischen Schulzeit für eine berufliche Grundbildung (SBFI). Es stehen rund 250 Berufe zur Wahl. Die Alternative sind die allgemeinbildenden Schulen, also Gymnasium oder Fachmittelschule. Dieser Entscheid ist Schritt 5 im Fahrplan. Mehr dazu im Beitrag zu Lehre oder Mittelschule.
Der Entscheid ist nichts Endgültiges. Das BIZ Bern spricht von der «ersten Berufswahl» und betont, dass das Bildungssystem durchlässig ist. Nach einer Lehre kann man sich weiterbilden, mit Berufsmaturität an eine Fachhochschule gehen oder später eine höhere Berufsbildung absolvieren (SBFI).
Was Eltern tun können
Eltern sind laut BIZ Graubünden die wichtigsten Begleiter im Berufswahlprozess. Konkret empfiehlt das BIZ: das Gespräch suchen, Rückmeldungen zu Stärken geben, gemeinsam das BIZ oder Infoveranstaltungen besuchen und die Berufswahlunterlagen in einem Ordner sammeln. Die Schnupperlehren soll das Kind aber selbst suchen und organisieren, und die Bewerbung soll es selbst schreiben. Eltern können sie korrigieren.
Wenn die Entscheidung schwerfällt oder die Lehrstellensuche nicht vorankommt, ist eine Beratung im BIZ sinnvoll. Hat ein Jugendlicher im Frühling des 9. Schuljahres noch keine Lehrstelle, kann nach Angaben des BIZ Bern ein Brückenangebot eine Zwischenlösung sein. Informationen und Anmeldetermine gibt es im BIZ.
Häufige Fragen
Wann sollte mein Kind mit der Berufswahl beginnen?
Laut BIZ Graubünden beginnt die Berufswahlvorbereitung in der Regel in der 2. Oberstufe (8. Schuljahr), teilweise schon gegen Ende der 1. Oberstufe. Die Schule zeigt den lokalen Berufswahlfahrplan.
Ab wann werden Lehrstellen für das nächste Jahr ausgeschrieben?
Nach dem Commitment der Verbundpartner der Berufsbildung frühestens im August des Jahres vor Lehrbeginn. Das BIZ Graubünden nennt anfangs August der 3. Oberstufe als üblichen Zeitpunkt für die Aufschaltung auf berufsberatung.ch.
Wie viele Berufe gibt es zur Auswahl?
Das SBFI spricht von rund 250 Berufen in der beruflichen Grundbildung.
Was, wenn mein Kind im Frühling des 9. Schuljahres noch keine Lehrstelle hat?
Das BIZ Bern nennt Brückenangebote als mögliche Zwischenlösung. Zudem lohnt sich eine Beratung im BIZ, die bei der Lehrstellensuche unterstützt.
Mehr zur Berufswahl
Quellen
- Berufswahl: Tipps für Eltern (BIZ Info, Oktober 2025) — Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung Graubünden (BSLB)
- TBBK-Info: Commitment der Verbundpartner der Berufsbildung zu fairen Chancen in der Berufswahl und bei der Lehrstellenbesetzung (6. April 2023) — Tripartite Berufsbildungskonferenz (TBBK) / Kanton Solothurn
- Die Berufsbildung in der Schweiz kurz erklärt — Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI)
- Informationen für Eltern: Gezielt unterstützen. Die Berufswahl als Familienprojekt (10/2022) — BIZ Berufsberatungs- und Informationszentren, Kanton Bern
- Commitment der Verbundpartner der Berufsbildung zu fairen Chancen in der Berufswahl und bei der Lehrstellenbesetzung (11. Mai 2023) — Kanton Zug
Zugegriffen am 7. Oktober 2026. Falls eine Quelle aktualisiert wurde, schreibe uns auf info@bestanden.ch.